Bücher machen um jeden Preis?

Ein kleiner Diskurs über die Finanzierung von Fotobuchproduktionen

Dieser Beitrag von Peter Lindhorst erscheint parallel in der Photonews-Ausgabe Februar 2012 und wird im Blog ergänzt durch weitere Antworten von Verlegern und Fotografen. Kommentare sind willkommen. 

Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource. Fotobuchfestivals werden die neuen Buchhandlungen. Wer etwa die Pariser Offprint besucht, muss mit seinen – auch finanziellen – Ressourcen gut haushalten. Hatte man vor einiger Zeit das Gefühl, dass der Fotobuchmarkt am Ende der Fahnenstange angelangt sei, wird man hier ob eines überbordenden Angebots an sehr unterschiedlichen, aber fast immer interessanten Erzeugnissen eines besseren belehrt. Aus dem Schatten der Programme etablierter Verlage treten hier die unterschiedlichsten Formen von Publikationen hervor, die Kleinverleger, Verlagsauslieferungen, Fotografen etc. feilbieten. Diese reichen von dünnen Heften, die im Digitaldruckverfahren und mit simplem gestalterischen Aufwand gefertigt sind, aber ganz bewusst diesen Umstand nutzen, sich ästhetisch abzusetzen, bis hin zu superaufwendig bereiteten Deluxe-Sets mit hochwertig gestalteten Büchern plus Print(s) und Box in streng limitierter Auflage. Während die E-Book-Diskussionen im belletristischen Bereich derzeit vehementer als je zuvor geführt werden und ein Paradigmenwechsel erkennbar ist, bleibt im Fotobuchbereich das gedruckte Erzeugnis das Maß aller Dinge. Die Möglichkeiten der (digitalen) Selbstpublikation wecken die Begehrlichkeiten eines jeden Fotografen, der gerade eine fotografische Serie beendet hat und diese in irgendeiner Form veröffentlicht sehen will. Am Ende möge immer das Buch stehen! Augenfällig ist, dass die innovativsten Präsentationsformen von Fotografie derzeit sicher im Buch und nicht im Ausstellungsraum – vielleicht im Gegensatz zur Kunst – geleistet werden.

Das Maß aller Dinge für einen Fotografen bleibt allerdings die Buchpublikation bei einem renommierten Verlag. Lässt sich das nicht realisieren, kann  immer  noch  in  Eigeninitiative ein Buch kreiert werden. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie unübersichtlich und reichen von book-on-demand-Modellen bis zur kurzfristigen Gründung des eigenen Kleinverlags. Wie heißt die von Bruno Ceschel gegründete Internetplattform, die sich intensiv mit selbstproduzierten Büchern beschäftigt? „Self publish, be happy“! „Glücklich, aber arm!“ möchte man dem entgegen halten, denn ohne finanzielle Eigenmittel scheint für einen Fotografen wenig zu gehen. Geld zu verdienen mit Foto-Büchern ist ein Trugbild, dem niemand wirklich nachhängt. Die Herstellungskosten bei Selbstpublikationen fordern einen erheblichen finanziellen Einsatz des Fotografen. Dies kann aber auch der Fall sein bei der Annahme durch einen renommierten Verlag. Die Marktgesetze scheinen ausgehebelt, denn der Autor verdient nicht an seinem Produkt, sondern im Gegenteil – er zahlt für dessen Realisierung. Das steht in einem krassen Gegensatz etwa zu belletristischen Verlagen. Das System ist dort ein völlig anderes. Michael Krüger, Verleger des renommierten Hanser Verlags, stellt im Vergleich von Fotobuch und Belletristik gegenüber Photonews klar fest: „Wenn uns ein Erstling gefällt, schließen wir mit dem Autor oder der Autorin einen ganz normalen Vertrag, das Risiko bleibt bei uns. Das ist sicher anders als bei Fotoverlagen.“ An dieser Stelle soll nicht das gesamte Belletristik-System aufgerollt werden. Nur so viel: als schreibender Debütant wird man in der Regel mit seinem Manuskript allein über die Vermittlung durch einen Agenten zu einem renommierten Verlag gelangen. Ein Agent erhält bei erfolgreicher Vermittlung eine Provision von ca. 15% vom Klienten. Ein geschickter Agent wird im besten Fall ein Garantiehonorar aushandeln, wobei der Autor möglicherweise einen Vorschuss erhält, schon bevor die ersten Einnahmen durch den Verkauf erzielt werden. Das hört sich im Vergleich zum Fotobuchbereich nach traumhaften Zuständen an, sieht im Autorenalltag aber häufig auch anders aus!

Bücherstapel in der Photonews Redaktion

Ein Newcomer im Fotobuchsektor putzt erst einmal Klinken bei den verschiedenen Verlagen, um möglicherweise einen zu finden, den er überzeugt, seine Arbeit zu publizie­ren. Mit diesem wird der so geadel­te Fotograf einen Vertrag abschlie­ßen, der bestimmte finanzielle Vorbedingungen (Eigenbeteiligung mit Summe X, Garantieabnahme, Sponsorensuche etc.) einschließt. Ob er je Geld aus möglichen Erlösen des Verkaufs sehen wird? Letztendlich wird der Bildautor abwägen müssen, welchen Preis er zu zahlen bereit ist, um das Servicepaket (Publikation, Pressearbeit, Vertrieb etc.) des Verlags zu nutzen. Der Verleger kann oder will nicht in Vorlage gehen, wie sich aus seinem Namen ableitet. Man kann jene etablierten Verlagshäuser daher verteufeln, die als Quasi-Dienstleister agieren, wird aber gleichzeitig deren verlegerische Realität zur Kenntnis nehmen müssen.

Die Bedingungen und Eigenarten der Fotobuchproduktion sind mühsam zu analysieren, weil diese in ihrer gegenwärtigen Vielfalt so extrem unübersichtlich scheinen. In derselben Weise divergieren die Erwartungen der Fotografen. Photonews versucht, etwas Systematik in die sehr unübersichtliche Situation zu bringen und befragt daher sowohl Verleger als auch Bildautoren.

Folgende Fragen wurden an die Verleger formuliert: Kann ein Fotobuchverlag bei den hohen Produktionskosten für ein Fotobuch heutzutage das verlegerische Risiko eingehen, die Arbeit eines Novizen ohne dessen finanzielle Eigenbeteiligung (oder dessen Akquirierung eines Sponsors) zu publizieren? Welche Voraussetzungen (Auflage, VK-Preis etc.) wären nötig, damit sich ein Fotobuch durch den Verkauf finanziert?

Und diese Fragen stellten wir den Fotografen bzw. Bildautoren: Sind Sie bereit, für eine Verlagsproduktion Ihres Fotobuches selber Geld beizusteuern? Zu welchem Anteil? Ist ein Fotobuch ein Marketing-Mittel für Ihre Arbeit? Wäre ein book-on-demand-Modell (zum Beispiel bei blurb) da eine Alternative?

Link: Einige Antworten und die Möglichkeit für Kommentare