Fotobücher für alle

Der Digitaldruck hat den Fotobuchmarkt umgekrempelt.
Aber mittlerweile sind auch Echtfotobücher und Inkjet-Produktionen eine Alternative. 

Dieser Beitrag von Markus Linden ist erstmals erschienen in PHOTONEWS Juni 2012. Informationen zum Autor: http://www.markuslinden.de

Das Fotobuch – vor nicht allzu langer Zeit war es den Profis vorbehalten. Und dann auch nur jenen, die einen Verlag fanden, der das Risiko einer Auflagenproduktion auf sich nahm. Denn mehrere Tausend Bücher müssen erst einmal verkauft werden, damit ein Verlag deutlich in die Gewinnzone rutscht. Das Fotobuch wurde so zu einem Qualitätsmerkmal des Fotografen. Denn wer ein eigenes Buch veröffentlicht, kann sich so nicht nur präsentieren, sondern bekommt ein Qualitätssiegel an die Hand, das den ökonomischen Wert der eigenen Arbeit bescheinigt. Wenn ein Verlag den Fotografen publiziert, so muss seine Arbeit auch verkaufbar sein – das ist die Logik hinter dem klassischen Offset-Fotobuch.

Dieser Werbewert des Fotobuchs führt zu der fragwürdigen Situation, dass viele Fotografen eine Kleinauflage mit eigenen Mittel vorfinanzieren – und in den meisten Fällen auf den Kosten sitzen bleiben. Mit dieser Situation haben sich viele Fotografen zähneknirschend arrangiert. (Anmerkung der Redaktion: siehe auch Beitrag „Bücher machen um jeden Preis?“ in Photonews 2/12 und im Photonews blog) Da jedoch auch die potentiellen Kunden und Interessenten diesen Mechanismus durchschauen, sinkt der Werbewert des Fotobuchs allmählich ab.

Zudem hat sich mit dem Digital­druck längst ein zweiter Markt für Fotobücher etabliert. Dieser wurde – aufgrund der Masse – von den Anbietern zunächst für Fotoamateure aufgebaut. Dieser Markt mit den digital erstellten Büchern boomt und mittlerweile gibt es für Amateure und auch Profis eine Reihe von Anbietern, die mit unterschiedlichen Ansprüchen und mit einer großen Spanne in den Kosten Bücher ab einer Auflage 1 produzieren. Das Verfahren ist immer gleich: das Buch wird – in der Regel vom Fotografen selbst – am Rechner gestaltet und die Layoutdaten werden über das Internet oder per CD zum Anbieter geschickt. Dieser produziert das Buch und schickt es per Post zurück.
Da sowohl Amateure als auch viele Profifotografen von der Gestaltung der Buchseiten wenig Ahnung haben, stellen alle Fotobuchanbieter eine Gestaltungssoftware kostenlos zur Verfügung. Hier kann man die Fotos automatisiert einlesen, beliebig oder anhand von Vorlagen auf die Seiten verteilen, Text setzen und sich eine Vorschau anschauen, bevor man auf den „Senden“-Button klickt. Aber Achtung: diese Softwares sind in der Regel für Amateure gestrickt und enthalten oft viele „kreative“ Vorlagen, peinliche Cliparts und auch andere Scheußlichkeiten. Diese aber kann man getrost ignorieren und sich selbst ein professionelles Layout erstellen. Schwieriger wird es bei der integrierten Bildoptimierung: Da die meisten Anbieter überwiegend im Amateursegment tätig sind, werden die Fotos oft noch durch einen automatischen Optimierungsalgorithmus gejagt. Das tut professionell retuschierten Bildern nicht gut, so dass man darauf achten sollte, dass sich dieser Automatismus abschalten lässt. Bei allen Anbietern, die auch mit Profis zusammenarbeiten, ist diese Option Standard, alle, die hauptsächlich Profis adressieren, optimieren nur auf ausdrücklichen Wunsch.

Während einige Anbieter für Fotoprofis alternativ eine gesonderte Software anbieten, stellen viele einen PDF- oder Indesign-Datenzugang zur Verfügung. Hier können Layout-kundige Fotografen beziehungsweise der von ihnen beauftragte Grafiker eigene, professionelle Layouts hochladen und produzieren lassen. Sogar der Masse-Anbieter Cewe-Color nimmt solche Fotobuch-Daten entgegen, kleine Anbieter und Fachlabore sowieso.

Produziert wird bei allen Anbietern mit einem oder mehreren der drei oben genannten Verfahren, wobei der Digitaldruck immer noch den größten Marktanteil hat. Der Vorteil der Digitaldruck-Bücher: Sie ähneln am stärksten den im Offset-Druck produzierten Auflagen. Viele Profis bevorzugen hier die auf den HP-­Indigo-Maschinen produzierten Bücher, da sich die Indigos am bes­ten Richtung Offset einstellen lassen. Ansonsten kommen Kodak Nexpress oder oft auch iGens von Xerox zum Einsatz.

Blick in die Produktionsstätte von Blurb in den USA

Weiterer Vorteil des Digitaldrucks: Es werden das vom Offset her vertraute Papier und auch die bekannten Verfahren zur Bindung wie Fadenheftung und Klebebindung verwendet. Das haptische Erlebnis und auch die Stabiliät der Bindung und die Robustheit der Papiere sind mit den anderen Verfahren nur mit hohem manuellen Aufwand zu erzielen. Der Nachteil: der Digital­druck bietet die schlechteste Bildqualität. Sowohl Abrisse in sanften Verläufen als auch ein mit bloßem Auge sichtbares Druckraster sind üblich. Daher lassen viele Fotografen mit belichteten oder im Inkjet-Verfahren gedruckten Seiten produzieren.

Alle Großlabore und viele Fachlabore bieten mittlerweile sogenannte Echtfotobücher oder Bücher auf „Fotopapier“ an. Hier wird mit Laserbelichtern aller möglichen Hersteller gearbeitet. Da sich Fotopapier nicht ohne weiteres beidseitig belichten lässt, werden die besonders dünnen Papiere gegenseitig verklebt und mit einer Leporello-Faltung verbunden. Der Vorteil: man kann über eine Doppelseite hinweg layouten, da die Seiten nach dem Aufschlagen plan liegen.

Die Schattenseiten des Verfahrens machen sich vor allem beim Blättern bemerkbar: Die Seiten sind steif und kartonartig, die Leporello-Bindung ist nicht besonders langlebig. Dafür lässt sich ein Glanz erzielen, der eben nur auf Fotopapier machbar ist. Matte Papiere sind aber bei den meisten Anbietern ebenfalls erhältlich, bei Fachlaboren auch Metallic, Perlmatt und alle Papiere, die Profis seit vielen Jahren für ihre Kunden einsetzen.

Die wenigsten Dienstleister bieten Fotobücher im Inkjet-Verfahren. Das sind dann meist Fachlabore, die die Fotografen persönlich beraten und das Nonplusultra der Fotobücher herstellen. State-of-the-Art sind die im 6-Farbdruck, zumeist mit Epson-Geräten produzierten Seiten, die auf Fine-Art-Papieren (Hahnemühle, Canson etc.) gedruckt werden. Einbände sind in allen Ausführungen erhältlich, von Leinen über Leder bis zu Reptilienleder, Acrylglas oder auch Aluminium.

Überhaupt bilden Einband und Bindung eine wichtige Trennlinie zwischen einem Amateurbuch und ­einem hochwertigen Fotobuch. Dazu kommen natürlich Farbverbindlichkeit und Service. Das Druckverfahren ist dabei zweitrangig; Fotobücher für Profis werden auch mit Laserbelichtern oder im Digital­druckverfahren erstellt.

Die Abbildungsqualität ist auch bei günstigen Amateurbüchern gut. Das gilt sogar für die Echtfotobücher von Aldi. Sie werden zum Preis von rund 20 Euro produziert, aktuell von Orwo in Wolfen. Die Bildqualität ist einwandfrei, die Farbwiedergabe weicht nicht mehr ab, als bei so manchen deutlich teureren Anbietern und man kann zwischen mattem und glänzendem Papier wäh­len.

Solche Bücher, die es ähnlich bei Lidl, den Drogerien oder Elektro­märkten gibt, sind ideal zum Verschenken oder mal zwischendurch Herzeigen – sie sind weder zum Verkauf im Handel noch zur hochwertigen Repräsentation geeignet. Dazu sind die Einbände zu wenig individuell und gelegentlich schlecht verarbeitet. Meist prangt ein Hersteller-Logo auf der Rückseite und eine ISBN-Nummer gibt es natürlich nicht mit dazu. Wer Letzteres benötigt, muss sich selbst im Eigenverlag bemühen und bei einem Digitaldruck-basierten Anbieter wie Blurb bestellen und die eigene ISBN manuell hinzufügen. Alternativ kann man einen der wenigen Full-Service Books-on-demand-Anbieter auftreiben, die auf fototaug­lichen Papieren drucken können und einen ISBN-Service bieten – wie zum Beispiel BoD.

Hochzeitsfotografen und andere, die hochwertige Ergebnisse für Kunden benötigen, werden wieder bei „ihrem“ Labor landen, das kein Fachlabor sein muss, sondern vielleicht das Großlabor, das auch für Aldi, Rossmann, Saturn und Co. produziert – aber mit individueller Betreuung für den Profifotografen. High-end-Fotobücher erhält man jedoch nur beim Fachlabor oder bei spezialisierten Fotobuchanbietern wie Asukabook. Hier allerdings kos­tet ein Buch immer eine dreistellige Summe, die dann bei ausgefallenen Wünschen auch schnell vierstellig werden kann. Pro Exemplar, versteht sich.

Anbieter (Auswahl):

Aldi   Zusammen mit Lidl der Preisbrecher. Digitaldruck-Bücher im Format A4 gibt es ab 15 Euro, als Echtfotobuch ab 20 Euro. Die Qualität ist in Odnung, als Echtfotobuch auch gut – kein Wunder, lässt Aldi doch bei Orwo fertigen. Man kann etwas teurer unter pixelnet.de auch direkt bei Orwo bestellen, so dass man nicht die Aldi-Software nutzen muss. www.aldifotos.de

Apple   Nirgendwo gibt es schöne Bücher so einfach. Direkt aus iPhoto heraus kann man die Apple-Bücher bestellen. Zwar lassen sich die Layouts nicht beeinflussen, aber die Vorlagen sind professionell gestaltet, so dass auch Layout-Laien automatisch schöne Bücher gestalten. Hochwertiger Einband, aber dünne Seiten und grobes Druckraster. Bisher ließ Apple bei Kodak im Digitaldruck fertigen, ob das nach der Insolvenz so bleibt, ist fraglich. www.apple.de

Asuka-Book   Das japanische Unternehmen fertigt seit einiger Zeit auch in Europa ­Foto­bücher für Profis an. Hochwertiger 6-Farb-Tintenstrahldruck wird kombiniert mit verschiedenen Einbänden, von Leinen über Kunstleder bis Leder. Keine eigene Gestaltungssoftware, es werden Vorlagen für Photoshop angeboten. Asuka-Book produziert ausschließlich für professionelle Fotografen, ein Nachweis wird verlangt.
www.eu.asukabook.com

Blurb   Blurb richtet sich an Profis und anspruchsvolle Amateure gleichermaßen. Das US-Unternehmen druckt auch in den Niederlanden, hier ebenfalls im Digitaldruck auf HP-Indigo-Ma­schinen. Blurb überzeugt vor allem durch die umfassenden Möglich- keiten, das Buch zu gestalten (neben der Blurb-Gestaltungssoftware gibt es Vorlagen und Plug-ins für Indesign, Lightroom und andere Programme), durch eine Verkaufsplattform und die Möglichkeit, die gestalteten Bücher gleich als digitale iBooks bei Apple anzubieten. www.blurb.de

bookfactory  Spezialisiert auf Kleinstauflagen ist die bookfactory in Bad Münder. Produziert wird im Digitaldruck mit einer Kodak Nexpress auf allen Bilder-, Kunstdruck- und Naturpapieren. Bindungen werden als Klebe- oder Fadenbindung ausgeführt. bookfactory bietet keine Layoutsoftware an, sondern setzt auf klassische Layouttools. Die Beratung umfasst nicht nur Datenaufbereitung und Farbmanagement, sondern auch Konzeption, Gestaltung und Vertrieb. www.book-factory.de

Cewecolor   „Mein Fotobuch“ heißt die Marke, die Europas größter Fotofinisher in den letzten Jahren etabliert hat und die über Drogerien, Elektronik-Ketten und Supermärkte angeboten werden. Neben Digitaldruck-Büchern stehen auch Echtfotobücher zur Verfügung. Cewe hat eine sehr umfangreiche Gestaltungssoftware entwickelt. Leider sind Kontraste und Sättigung für unseren Geschmack sehr auf das Empfinden von Amateuren ausgerichtet. Es werden auch PDFs und andere Daten angenommen, Nachfragen lohnt sich. www.cewe-fotobuch.de

Fujifilm Professionell   Seit April adressiert Fujifilm mit einer neuen Website und einer neuen Software explizit auch professionelle Fotografen. Dabei sind die Echtfoto­bücher aufgrund ihrer Bildqualität in Tests bereits seit ein paar Jahren immer auf den vorderen Plätzen. Jetzt wird auch Farbmanagement angeboten – allerdings zunächst nur für Windows-Anwender und nicht für Digitaldruck-Bücher. www.fujifilm-fotoservicepro.de

FotobuchXXL   Ausschließlich im Digitaldruck, aber mit einer ganzen Bandbreite an verschiedenen individuellen Bindungen und Einbänden, fertigt FotobuchXXL in Handarbeit für Amateure und Profis. Bücher mit mehr als 400 Seiten oder andere ausgefallene Wünsche lassen sich umsetzen. Die Preise sind höher als bei den Großlaboren, aber im Vergleich zu vielen Fachlaboren dann doch günstig. www.fotobuch-XXL.de

Ifolor   Das Schweizer Unternehmen setzt ausschließlich auf Digitaldruck und produziert die Bücher in solider Qualität zu günstigen Preisen. Die gute Layout-Software gibt es für Windows und den Mac, Bücher mit bis zu 132 Seiten werden angeboten. Leider tragen die Bücher ein Ifolor-Logo und den Barcode auf der Rückseite. www.ifolor.de

Lidl   Lidl konkurriert natürlich mit Aldi und fertigt zu ähnlichen Preisen. Auch hier steht ein Großlabor hinter den Produkten. Zuletzt war dies Allcop, allerdings ist Lidl, ebenso wie Aldi, nicht an die Labore gebunden, so dass kurzfristige Wechsel möglich sind. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut, aber ebenso wie bei Aldi wird kein Service für Profis geboten.  www.lidl-fotos.de

Saal   Saal Digital ist auf Belichtungen, also Echtfotobücher spezialisiert und richtet sein Geschäft vornehmlich auf anspruchsvolle Amateure aus. Die Qualität der Bücher ist sehr gut und es wird absolut farbneutral produziert. Profis werden vielleicht dennoch spezielle Einbände und Bindungen vermissen. Dafür gibt es kein Logo und keinen Barcode auf den Büchern. www.saal-digital.de

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