Marco van Duyvendijk. Riko / SMA Negeri 1 Semarang.

SMA Negeri 1 Semarang

Schon bei “Love Doll Factory”, das hier vor nicht allzu langer Zeit vorgestellt wurde, hatte Marco van Duyvendijk es angekündigt. Eine kleine Buchserie mit verschiedenen Themen sollte entstehen. Jetzt fand ich zwei neue Publikationen des in Rotterdam lebenden Fotografen im Briefkasten: “Riko” und “SMA Negeri 1 Semarang”. Das rote und das blaue Album. Ein Buch über Tanz, eines über eine alte Schule.

Ich muss zugeben: die selbstproduzierten Publikationen von Marco van Duyvendijk fangen mich jedes Mal von neuem ein. Mir gefällt die Reduktion, das Unprätentiöse bzw. die Erzählökonomie, mit der er kleine, ephemere Geschichten erzählt.  Form und Inhalt balancieren sich in seinen Büchern perfekt aus. Auf die Innenseite eines aufklappbaren, gummibeschichteten Covers ist ein spärlicher Text abgedruckt. Der Faden der Heftung ist in einer passenden Farbe ausgesucht. Kaum erwähnenswerte Formdetails mag man denken, doch es ergibt einen Sinn.

Riko

Man könnte behaupten, dass Marco van Duyvendijk ein „Buchfotograf“ ist. Das Buch stellt für ihn einen idealen Freiraum des Experimentierens mit Bildern da. Seine Serien darin sind immer sehr fein ausmodelliert. Das stellen auch seine beiden Neuerscheinungen eindrucksvoll unter Beweis: Auf einer Reise nach Japan kommt er mit Riko, einer Butoh-Tänzerin zusammen. Butoh ist eine Mischform aus Theater, Improvisation und Performancekünsten mit Anleihen an den deutschen Ausdruckstanz. Marco van Duyvendijk gelingt es, die junge Japanerin zu einer Darbietung zu überreden. Ihr dient Butoh dazu, eine Ausdrucksform jenseits der Sprache für sich zu finden, wie sie ihm   irgendwann verrät. Van Duyvendijk zeigt die Vorbereitungsrituale, um anschließend die Tänzerin in ihren anmutigen Bewegungen zu fotografieren. Von einem sonnendurchfluteten leeren Raum wechseln Fotograf und Tänzerin bald in die Natur. Farbenprächtige Szenen, die aus einem Kurosawa-Fim stammen könnten. Der Fotograf schafft es, die sehr eigensinnige Choreographie in entsprechende Bilder umzusetzen. Rikos Tanz wird als einer dargestellt, der tiefe Innerlichkeit und zarte Zurückhaltung ausdrückt.

Riko

Die andere Arbeit bewegt sich diametral dazu. Kein Text, allein eine kurze Chronologie ist beigefügt. Auf seinen Reisen durch Indonesien gelangt er zufällig zu einem Schulgebäude, das schon während der niederländischen Kolonialzeit in den 30 Jahren gebaut wurde. Marco van Duyvendijk führt eine Szenerie vor, in der die Zeit stehen geblieben scheint. Ein imposantes Gebäude, das einer wechselvollen Zeit ausgesetzt war.

SMA 12

Zwischenzeitlich wurde es von den Japanern genutzt, um anschließend kurzzeitig wieder unter niederländischen Einfluss zu gelangen und als Militärhospital genutzt zu werden. Nachdem Indonesien seine Souveränität erlangte, führte man das Gebäude wieder seinem ursprünglichen Nutzen als Schule zu. Marco van Duyvendijk nimmt den Betrachter fotografisch mit auf einen kleinen Rundgang. Dazu zeigt er die Schulgänge, leere Klassenzimmer, vereinzelte Szenen aus dem Unterricht.

SMA Negeri 1 SamarangDem stellt er zahlreiche Porträts der Schüler und Schülerinnen gegenüber, die in ihren blauen, leuchtenden Uniformen oder im Sportdress vor der Kamera posieren. Die Übergänge vom Teenagerdasein zum Erwachsenwerden manifestieren sich in den gravitätischen Posen der Jungen und Mädchen. Das Thema zieht sich allerdings schon lange durch sein Porträt-Werk: stille Bildnisse von Jugendlichen, die er in einer leuchtenden Farbigkeit abbildet und die an Kompositionsmuster der klassischen Malerei angelehnt sind.

SMA Negeri 1 Semarang
Dem Betrachter geht es bei der Beschäftigung mit beiden Serien so: aus der Reduktion, der Zurückhaltung beziehen diese ihre Stärke und beginnen, schließlich immer stärker zu leuchten. (Peter Lindhorst)

Marco van Duyvendijk. Riko / SMA Negeri 1 Semarang. Erschienen im Selbstverlag. Rotterdam 2014.  (Auflage: je 500 Stück). Jeweils 32 S. mit farb. Fotos, 16,5 x 20,5 cm. Pb. Je 17,- € (plus Versand), zu beziehen über:

 http://www.marcovanduyvendijk.nl

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *