Das Crowdfunding für das PhotoBookMuseum

Zu den spektakulären Crowdfunding-Foto-Projekten der jüngsten Zeit gehört das Kölner The PhotoBookMuseum (The_PBM). Wir haben Markus Weckesser  vom The_PBM-Team gebeten, einige Hintergrundinformationen zu liefern. Markus Weckesser hat die Crowdfunding-Kampagne für The_PBM aufgesetzt und koordiniert. Er ist Textchef des Museums und leitet die Pressearbeit. Nachfolgend sein Text:

Wie bei so vielen anderen Projekten im kulturellen Bereich hat es uns nie an Ideen gemangelt. Dafür aber umso mehr an den entsprechenden Finanzmitteln für deren Realisierung. Dennoch haben wir es gewagt, wobei uns von Anfang an klar war, dass Crowdfunding eine wichtige Stütze bei der Finanzierung von The PhotoBookMuseum sein wird.

Das Fotobuch im Container des PBM. Foto: Daniel Zakharov
Das Fotobuch im Container des PBM. Foto: Daniel Zakharov

Museums-Idee
The_PBM wurde 2013 von dem Kölner Fotobuchspezialisten Markus Schaden initiiert. Es ist das weltweit einzige Museum, das sich dem Medium Fotobuch in all seinen Facetten widmet. Der erste Schritt auf Weg zu dessen Umsetzung ist eine große Eröffnungsausstellung, die noch bis zum 12. Oktober 2014 im Carlswerk in Köln-Mülheim zu sehen ist.

Finanzierungsmix
Welchen anderen Einnahmequellen gab es für The_PBM? Neben der finanziellen Unterstützung von Privatleuten und Unternehmen haben wir vor allem zahlreiche Sachspenden erhalten. So wurde etwa von der Immobiliengesellschaft beos die Hallenmiete gesponsert, der Verlag Kettler übernahm die Kosten für Programme, Poster und Publikationen, VW stellte einen Van bereit, Fotofachlabore und Rahmenbauer finanzierten Prints und Rahmungen, Magazine räumten uns kostenlose Anzeigen ein, Hotels ermöglichten Übernachtungen für Künstler und Referenten. Eine institutionelle oder kommunale Förderung erhielt The_PBM hingegen nicht.

PBM-Katalogbox, erschienen im Kettler Verlag
PBM-Katalogbox, erschienen im Kettler Verlag

Ausgangsfragen
Inzwischen hat sich eine Reihe von Crowdfunding-Plattformen etabliert. Grundsätzlich sind alle Anbieter ähnlich aufgebaut, sie unterscheiden sich lediglich in Details. Wer eine Kampagne startet, muss individuell und seinem Projekt angemessen entscheiden, welchem Anbieter er den Vorzug gibt. Gelder zu akquirieren ist der eine Aspekt. Der andere, für manche Projekte sogar bedeutendere Nutzen einer Kampagne, ist die damit erzielte Aufmerksamkeit. Crowdfunding eignet sich hervorragend als PR-Werkzeug, um in einem kurzen Zeitrahmen gezielt und intensiv um Unterstützung zu werben. Daher stellten wir vor der Auswahl folgende Fragen: Welche Zielgruppe wollen wir erreichen? In welchen Ländern ist der jeweilige Dienstleister stark vertreten und in welcher Sprache wird kommuniziert? Sind viele Projekte aus dem Kultur- und insbesondere dem Fotokunstbereich vertreten? Was für Zahlungsformen stehen potentiellen Förderern zur Verfügung? Welche Funktionen der Selbstdarstellung und Informationsverbreitung können genutzt werden? Steht der Support in gutem Ruf? Und wie hoch sind letztlich die Nutzungskosten?

Wahl der Plattform
Die verbreitetste Crowdfunding-Plattform in Deutschland ist Startnext. Ein paar Mitglieder unseres Teams hatten den Anbieter zur Finanzierung ihres Fotobuchprojekt „elf uhr elf“ genutzt und gute Erfahrungen gemacht. Dennoch entschieden wir uns nicht für Startnext, weil wir ein internationales Publikum erreichen wollten. Das gleiche Kriterium sprach gegen Vision Bakery aus Leipzig. Kisskissbankbank ist eher für den französischsprachigen Raum eine Empfehlung, Ulule wird in ganz Europa genutzt. International besitzt Kickstarter hervorragendes Renommee. Zudem ist die Plattform auf kulturelle Projekte spezialisiert und bietet sich für Kampagnen an, die mit Stiftungen, Festivals und Unternehmen kooperieren. Seit September 2014 arbeitet Kickstarter beispielsweise mit der art Basel zusammen, um – was zunächst einmal paradox klingt – nichtkommerzielle Kunst zu fördern. Doch zum Start einer Kampagne bedarf es eines Teammitglieds, das in den USA oder Großbritannien lebt und dort ein Bankkonto führt. Uns war es jedoch lieber, die Aktion direkt von Köln aus zu führen. Außerdem ist Kickstarter nur in Englisch verfügbar. Eine Sprachbarriere aber hätte mögliche Unterstützer eventuell abgehalten, sich zu beteiligen.

Finanzierungsmodell
So starteten wir unsere Kampagne schließlich bei Indiegogo mit Sitz in San Francisco. Die Plattform ist international bekannt und nutzt die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch. Da nicht jeder Unterstützer eine Kreditkarte besitzt, war uns wichtig, dass Zahlungen ebenfalls per PayPal oder Überweisung abgewickelt werden konnten. Attraktiv war auch das Finanzierungsmodell. Wie wählten ein flexibles Ziel, weil The_PBM in jedem Fall realisiert werden sollte. Der Vorteil: Auch wenn wir die von uns selbst gesetzte Summe von 25.000 Euro nicht erreicht hätten, wären uns die Spenden ausbezahlt worden. Indiegogo berechnet bei einer nicht erfolgreichen Kampagne 9 Prozent der Gesamtsumme als Gebühr, bei Erfolg 4 Prozent. In den USA als gemeinnützig anerkannte Organisationen zahlen sogar nur 3 Prozent.

Ablauf der Kampagne
Unsere Kampagne lief 60 Tage, wobei 27.080 Euro von 237 Förderern gespendet wurden. Auf den Erlös hatten wir abzüglich der zunächst einbehaltenen 5 Prozent unmittelbaren Zugriff, sodass wir bereits während der Aktion anfallende Kosten für The_PBM bestreiten konnten. Anhand einer täglich aktualisierten Statistik war ersichtlich, in welchen Ländern die Unterstützer leben und auf welchem Weg sie von der Kampagne erfahren hatten. Diese Informationen waren wichtig, um das weitere Vorgehen zu lenken. Denn die Hauptarbeit liegt beim Initiator.

PBM-Initiator Markus Schaden. Foto: Wolfgang Zurborn
PBM-Initiator Markus Schaden. Foto: Wolfgang Zurborn

Crowdfunding-Plattformen stellen lediglich die Infrastruktur und geben Anleitungen und Tipps, wie eine Kampagne erfolgreich geführt wird. Schwarmfinanzierung funktioniert eben nach dem Schneeballprinzip. Je größer ein Team ist, umso besser. Erfahrungsgemäß wird einer Gruppe mehr gespendet als einer Einzelperson. Jedes einzelne Teammitglied trägt zum Gesamterfolg bei, indem es seine persönlichen Netzwerke über Social Media oder direkt anspricht.

Regelmäßige Updates
Wir nutzten unter anderem Facebook, Twitter und Instagram, um einerseits neue Unterstützer zu gewinnen und andererseits, um Förderer, die bereits Geld gespendet hatten, über die Entwicklung des Projekts auf dem Laufenden zu halten. Während der Kampagne haben wir regelmäßig Neuigkeiten und Fotos vom Aufbau im Carlswerk gepostet. Des Weiteren baten wir die beteiligten Künstler und Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats um Video-Clips. Erstere stellten ihre Arbeit für die Eröffnungsausstellung vor, letztere überraschten mit kurzen Statements, in denen sie erklärten, warum sie The_PBM fördern. Die kurzen Filme stießen auf sehr gute Resonanz, denn sie vermittelten einen unmittelbaren Eindruck von unserem Vorhaben und stärkten das Interesse an einer Spende und dem Besuch der Ausstellung. Leider lassen sich solche Info-Updates, die allen registrierten Unterstützern automatisch per E-Mail zugehen, nicht nachträglich bearbeiten. Ein falscher geschriebener Name oder eine inhaltliche Änderung bleiben somit unkorrigiert.

Das PhotoBookMuseum im Kölner Carlswerk. Im Hintergrund: Photo Book Study zu Daido Moriyama
Das PhotoBookMuseum im Kölner Carlswerk. Im Hintergrund: Photo Book Study zu Daido Moriyama

Dankeschöns für die Unterstützer
Crowdfunding-Kampagnen bieten üblicherweise Dankeschöns an, die je nach Höhe der gewährten Unterstützung variieren. Wir haben uns entschieden, keine Merchandise-Artikel wie Postkartensets, Stoffbeutel oder ähnliches anzubieten, der administrative Aufwand wäre einfach zu groß gewesen. Unser Ziel war stattdessen, weltweit Fotobuchfreunde für die Idee von The PhotoBookMuseum zu begeistern. Wer spendet, sollte nicht auf materielle Gegenwerte hoffen, sondern die gemeinsame Vision mittragen und so Teil einer Gemeinschaft von Fotobuchenthusiasten werden, die sich der Förderung des Mediums verschrieben haben.
Jeder Spender wird auf der Founder-Wall im Museum und auf der virtuellen auf unserer Webseite genannt, um ihm für sein Engagement zu danken und diesem sichtbaren Ausdruck zu geben. Außerdem bedankten wir uns je nach Spendenhöhe mit Einladungen für die Eröffnungs- und alle zukünftigen Ausstellungen, ermäßigtem oder freiem Eintritt und Rabatten auf oder kostenlosen Publikationen.

Nachhaltigkeit und Ausblick
Auch nach Ablauf der Kampagne bleibt uns Indiegogo als Präsentationsplattform erhalten. Dass keine Einträge gelöscht werden, ist sehr gut. Die Dokumentation belegt, wie viele Menschen vom Konzept unseres Fotobuchbuchmuseums überzeugt sind. So hoffen wir auf eine nachhaltige Signalwirkung und freuen uns über weitere Unterstützer. In diesem Sinne: Long live the photobook!
Markus Weckesser

www.indiegogo.com/projects/the-photobookmuseum#home
www.thephotobookmuseum.com

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