Henrik Malmström »A Minor Wrong Doing«, »Life Is One Live It Well«

Henrik Malmström, "A Minor Wrong Doing"
Henrik Malmström, »A Minor Wrong Doing«

Schwarzes Cover, schwarzer Buchblock. Schlägt man das Buch „A Minor Wrong Doing“ auf, ist es, als habe jemand im selben Moment das Licht ausgeknipst. Düsternis, in die wir mit jedem Umblättern einer Seite tiefer hineingezogen werden. So gibt es nichts Eindeutiges, nur Vermutung. Manchmal meint man das Aufleuchten eines Mobiltelefons zu erkennen, das Strahlen eines Autoscheinwerfers, das Glimmen einer Zigarette. Schnell vorüberhuschende Schatten, aber auch ein Innehalten, ein Verharren auf dem Bordstein. Das verraten uns die schemenhaften Körperhaltungen der Figuren. Nur worauf wartet man auf der Straße? Darauf, dass irgendwas passiert? Auf Gesellschaft? In der Dunkelheit der Nacht? Und wer wartet da überhaupt?

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Anne Morgenstern »Land ohne Mitte«

Anne Morgenstern, aus "Land ohne Mitte"
Anne Morgenstern, aus »Land ohne Mitte«

Oberarm-Tätowierung  mit dem Motiv „Wehrmachtsoldat“, rasierte Schädel, das Logo einer Nazirockband auf dem T-Shirt, muskelbepacktes Security-Personal, Springerstiefel, deren Schnürsenkel die politische Gesinnung ihres Trägers verraten. Deutschlandfahne. Riesige, triste Plattenbaukomplexe, Industrieanlagen und Kraftwerke, deren Schlote  den Himmel grau färben oder umgekehrt das Rauchen eingestellt haben. Verödete Innenräume und ein „Einheit“ – Schriftzug aus Metall, der längst erodiert. Rückbau- und Umnutzungsmaßnahmen in den Industrielandschaften. Tagebau wird geflutet. Irgendwann soll eine perfekte Urlaubsregion entstehen. Für diejenigen, die geblieben sind, ist der schönste Platz an der Theke,  vor dem blinkenden Glücksspielautomaten oder innerhalb der verschworenen Gemeinschaft der Muckibude. Weiterlesen →

Fanpost 11: Joachim Schumacher. Von dieser Welt.

Joachim Schuhmacher. Herne-Wanne, Hüttenstraße (2005)
Joachim Schuhmacher. Herne-Wanne, Hüttenstraße (2005)

Endlich wieder eine neue Fanpost im Blog – heute von Markus Weckesser, der als ständiger PHOTONEWS-Autor natürlich nicht mehr vorgestellt werden muss. Markus Weckesser beschäftigt sich hier mit Joachim Schumacher, der seit Jahrzehnten die Veränderungen des Ruhrgebiets dokumentiert. Seiner exzellenten Publikation »Das Gebiet« lässt dieser jetzt innerhalb kurzer Zeit ein zweites Buch folgen, das hier ausschließlich Farbaufnahmen präsen- tiert. Markus Weckesser über »Von dieser Welt«.

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Luke Stephenson’s 99x99s.

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Luke Stephenson. Seaford.

Im letzten Sommer beschloss der Engländer Luke Stephenson, mit einem Bedford Camper Van, den er auf Ebay ersteigert hatte, die britische Küste von Southampton bis nach Edinburgh zu fahren, von dort nach Glasgow, um umgekehrt die Küste wieder in Richtung Süden zu bereisen. Sein Road-Trip lässt sich in nüchternen Zahlen zusammenfassen: 25 Tage, 99 Orte, 5632 km und… 24000 Kalorien.

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We Love Martin Parr!

Neues vom Herrn der Fotobücher. Gerade habe ich zwei wunderbare Bücher im Stapel der Neuerscheinungen entdeckt. „Hong Kong Parr“ ist der eine Titel, erschienen bei Gost Books. Da lässt sich nur konstatieren: Wo Parr draufsteht, ist auch Parr drin. Von der Blindspot Gallery in Hongkong beauftragt, ist Martin Parr für einige Zeit in der Stadt mit einer der höchsten Bevölkerungsdichten weltweit unterwegs gewesen. Ein gefundenes Fressen für ihn, wenn er sich durch das hektische Straßentreiben bewegt und Situationen des Alltags aufsaugt.

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Danila Tkachenko. Escape.

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Abkehr. Rückzug. Weltflucht. Sie lassen die Schrecken, das Ungemach der Vergangenheit hinter sich und suchen sich einen Platz in der Wildnis. Sie verschwinden hinter dem dichten Astwerk des Waldes, um dort eins zu werden mit der Natur. Aber sie sind keine Hippie-Romantiker mit der Maxime »Back to the Nature«, sondern radikale gesellschaftliche Verweigerer.

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Matej Sitar. Morning Sun.

 

Guter Hoffnung sein. 266 Tage sind der Durchschnittswert, bis sich aus einer befruchteten Eizelle ein Kind entwickelt und dieses das Licht der Welt erblickt. Wie es als Vater sein wird? Was sich ändert? Wie die Tage aussehen in einem Leben zu dritt? Matej Sitar weiß es nicht. Aber der slowenische Fotograf setzt sich fotografisch mit dem gleichermaßen beglückenden wie verwirrenden Moment auseinander, als er von der Schwangerschaft seiner Freundin Maja erfährt.

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The Photography Workshop Series.

Larry Fink on Composition and Improvisation. Links das Foto: Pat Sabatine’s Eight Birthday Party
Larry Fink on  Improvisation and Composition. Rechts: Pat Sabatine’s Eight Birthday Party

„This is a famous picture that I take a long time ago. It’s an extraordinary photograph. One of the reasons this picture is so heralded is because it’s about more than the subject matter, it’s about the nature of photography.“ So leitet Larry Fink eine Beschreibung zu seinem Bild „Pat Sabatine’s Eight Birthday Party“ aus seiner großartigen Serie „Social Grace“ ein.

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Horst A. Friedrichs. Denim Style.

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Der Stoff, aus dem die Träume sind. Eine Jeans ist eine Jeans ist eine Jeans. Vielleicht für dich! Nicht aber für jene, für die Webkanten, Färbung der Kettfäden, Stoffstärke, Waschung etc. zur Glaubensfrage wird. Nicht für diejenigen, die Denim-Vintage sammeln und dafür horrende Summen ausgeben. Nicht für diejenigen, die sich den vorherrschenden Trends verweigern und ausschließlich klassisches „Raw Denim“ tragen. Die steife, indigogefärbte Kleidungsstücke erwerben, diese erst mal nicht waschen, um deutliche Gebrauchsspuren durch Abrieb, Falten etc. zu erzielen. Die also eine Hose gerne ein halbes Jahr eintragen, ohne sie in die Waschmaschine wandern zu lassen, um einen individuellen Look auf dem Stoff zu erzielen.

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Thomas Henning. Sperrmüll, 1983.

 

Thomas Henning. Sperrmüll, 1983
Thomas Henning. Sperrmüll, 1983

Die Stadt, der Müll und das Leben. Letzteres entfaltet sich vor allem nach Einbruch der Dunkelheit. Ausgelassenheit und Goldgräberstimmung liegen in der Luft. Ein heißer Sommer. Und ein Moment der Freiheit und des herrschaftsfreien Raumes. Matratzen fliegen aus Fenstern. Sperrmüll türmt sich an den Straßenecken. So kunstvoll diese Müllberge von denen einen zusammengesetzt werden, so erbarmungslos werden sie von den anderen gefleddert. Im Glückstaumel tragen die Straßensammler ihren Trophäen von dannen, bevor diese von den ausrückenden Sperrmüllwagen eingesammelt werden können.

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